September 2009 - Erfahrungsbericht einer Eschweger Schulklasse 

Erfahrung_Schulklasse„Europaweit einzigartiges, aber auch nicht ungefährliches Naturspektakel!“
Wandern über kalte Lava auf dem Berg der Frau Holle mit der G 9a

Erkaltete Lava ohne Vulkan, seit 300 Jahren brennende Kohle, der sagenumwobene Frau- Holle-Teich und herrliche Ausblicke zeichneten die Tour über den „Kalbepfad“ am Hohen Meissner aus. Frau Anja Laun war unsere versierte Naturparkführerin, die uns am 25. September, anlässlich des Wandertages, fachkundig begleitete und Informationen zu den jeweiligen Standorten gab.

Die geführte Wanderung dauerte ca. 3 Stunden. Wir trafen uns als erstes auf dem Parkplatz des Frau Holle Teiches mit unserer Naturparkführerin Anja,die uns gleich etwas über den sagenumwobenen Frau-Holle-Teich berichtete. Durch Fichten- und Buchenwald, und einem Blockschluchtwald mit Ulmen und Eschen ging es vorbei an der „Eisquelle“ und erstaunlichen „Blockmeeren“ wo Basaltbrocken sich 15 bis 25 m übereinander türmen und kaum Wachstum zulassen. Der sogenannte „Kalbepfad“ schlängelte sich bergan zur „Kalbe“ auf 721 m Höhe, einen Aussichtspunkt, der seinesgleichen sucht. Der Lohn des Anstiegs war enorm. Obwohl die Fernsicht anfangs durch auf- steigenden Nebel teilweise verdeckt war, hatten wir einen beeindruckenden Ausblick über das Meißnervorland. Anja erklärte uns , dass die Kalbe im Jahr 1964 beinahe abgerutscht wäre, und, kaum vorstellbar, in den 60er Jahren findige Ingenieure glaubten, man könne den Berg durch eine Art Stahlkorsett am Abrutschen hindern ! Mit 250.000 DM teuren Stahlseilen wurde versucht, den Berg zu sichern. Die Seile hielten aber nur drei Monate, bis die Kalbe wieder ins Rutschen kam. Als man dies bemerkte, fasste man den Entschluss, die Kalbe zu bepflanzen, sodass die Wurzeln der Büsche und Bäume, die Erde festigen, und somit den Berg vom Rutschen abhalten sollten. Wahrscheinlich hat dies teilweise auch funktioniert. Allerdings vermuten Wissenschaftler immer noch, dass der Berg jährlich einige Zentimeter abrutscht. Nach einer kurzen Pause und den reizvollen Ausblicken zum Kalbesee und der näheren Umgebung führte uns der Abstieg zu den Zeugnissen des ehemaligen Kohlebergbaus auf dem Hohen Meißner.

Industrie-Naturdenkmal „Die Kalbe“
Neben der interessanten Entstehungsgeschichte des Meissners klärte uns Anja auch über den 400jährigen historischen Braunkohleabbau auf. Von dem Aussichtspunkt hatten wir einen beeindruckenden Überblick über das Tagebaurestloch „Kalbesee“ mit den abgetragenen Basaltterrassen und aufsteigenden Dämpfen von brennender Kohle.

Der Abstieg führte uns direkt in den nur mit einem Naturkundeführer zu betretenden ehemaligen Steinbruch mit der sogen. „Stinksteinwand“, an der wir ein nicht ungefährliches Naturspektakel beobachten konnten. Hier brennen unterirdisch die Braunkohleflöze, die sich am Meißner nachweislich seit über 400 Jahren selbst entzündet haben. Die Luft ist voller giftiger Abgase, die direkt aus dem Boden kommen und hier brennen. Das direkte Einatmen dieser Abgase in geschlossenen Räumen lebensgefährlich.

Diese Stelle ist die einzige in Europa, an der seit über 400 Jahren die Braunkohle im Berg glimmt. Der Boden sinkt z.T. ab, da durch die Kohleverbrennung ein Hohlraum entsteht. Dieser Bereich des Kalbesees mit der steil abfallenden Basaltwand ist wegen seiner Gefährlichkeit abgesperrt und nur mit einem geschulten Führer zu betreten.

Kalbe_Bergbau       Kalbe

An diesem Ort erfuhren wir von Anja einiges über den vom Aussterben bedrohten Turmfalken, der unter anderem seine Brutstätte in der senkrecht abfallenden Basaltwand („Sticksteinwand“) (40 M Höhe) gefunden hat. Die Gründe des Aussterbens wurden uns von Anja, unserer Rancherin des Naturparks, sehr anschaulich am Beispiel der Nahrungskette des Turmfalken, die wir als Pyramide darstellten, verdeutlicht.

Kinder_EulenpfadKonkret nehmen die Insekten mit ihrer Nahrung Gifte wie Pestizide mit auf. Danach werden die mit Pestiziden vergifteten Insekten von kleinen Vögeln gefressen und diese werden wiederum vom Turmfalken in der Nahrungskette gefressen, der an den pestizidbelasteten Vögeln dann letztendlich durch Vergiftung stirbt.

Rückweg zum Frau-Holle-Teich über den Eulen-Stieg
Über den „Eulenstieg“, wo auf handgemalten Tafeln die seltenen Eulenarten am Meissner beschrieben sind und am Ende ein großer holzgeschnitzter Uhu grüßt, führte der Weg zurück zum Frau Holle-Teich. Mit einem Blick auf die 3,50m hohe Holzskulptur der Frau Holle endete die Exkursion wieder am Ausgangspunkt mit einem besonderen Dank an unsere fachkundige Naturkundeführerin Anja.